Spatial Audio: Ein weiterer Marketing-Gag, oder?

Bevor es mit dem Artikel los geht, ist es mir wichtig, ein paar Worte voraus zuschicken: Ich bin weder besonders audiophil, noch ein noch ein Experte in Sachen Audio oder Soundtechnik. Was ich hier schreibe, solltest du also vor diesem Hintergrund lesen. Das Ganze gibt eher mein persönliches Erlebnis dieses Features wieder.

Was ist Spatial Audio?

Spatial Audio mit Dolby Atmos ist eine neue Form der Aufnahme und Wiedergabe von Musik, die das Gefühl vermitteln soll, die Musik würde um einen herum stattfinden - quasi mittendrin statt nur dabei.Nutzen kann man Spatial Audio als Kunde von Apples Musikdienst Apple Music - ohne Aufpreis.

Vorausgesetzt allerdings, dass man über entsprechende Hardware verfügt. Laut der Infoseite von Apple sind das AirPods, AirPods Pro und Max, BeatsX, Beats Solo3 und Studio3, Powerbeats3, Beatsflex, Powerbeats Pro und Beats Solo Pro. Zudem ein geeignetes iPhone, iPad oder macBook. [iPhone 7 oder neuer, iPad Pro (ab dritter Generation), iPad (ab sechster Genration), iPad Air (ab dritter Generation), iPad mini (ab fünfter Generation) , macBook ab 2018 - zudem iOS 14.6/iPadOS 14.6 bzw. macOs Big Sur.] Mit anderen Worten: Läuft nicht auf dem HomePod (mini) - zumindest funkioniert der Raumklang dort eben nicht.

Das Erlebnis

Zum Einstieg habe ich mir tatsächlich erst einmal die Beispieltracks angehört, die Apple in einer von Aria Nejati moderierten Playlist (Das ist 3D-Audio) zusammengestellt hat. Darin enthalten sind dann jeweils ein Track von Marvin Gaye und The Weeknd. Und gerade bei Marvin Gaye sind die unterschiedlichen Versionen tatsächlich am beeindruckendsten - hört man hier doch zu erst die Original-Mono-Aufnahme, dann Stereo und schließlich Spatial Audio.

Weiter ging es für mich dann durch die weiteren Playlists die Apple zusammengestellt hat, u.a. nach Genre wie Pop, Rock und Hip Hop. Gehört habe ich dabei vorrangig Songs, die ich gut genug kenne, um eine Chance zu haben Unterschiede wahrzunehme, u.a. „Don't Cha“ (Pussycat Dolls & Busta Rhymes), „Rebel Yell“ (Billy Idol), „Whats Up“ (4 Non Blondes), „Save Your Tears (Remix)“ (The Weeknd & Ariana Grande) und „We Belong“ (Pat Benatar). Die hier jetzt genannten Titel sind auch die, bei denen Spatial Audio für mich tatsächlich ziemlich gut funktioniert und bei denen ich tatsächlich Unterschiede wahrnehmen konnte.

So kommt beim Remix von „Save Your Tears“ Ariana Grandes Stimme deutlich besser und räumlicher zur Geltung als in der ursprünglichen Stereo-Fassung und selbst bei den beiden Songs aus den 80ern „Rebel Yell“ und und „We Belong“ sind für mich deutliche Unterschiede zu hören. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass man die einzelnen Layer (oder sollte ich Ebenen sagen?) eines Songs deutlich besser hören kann. So richtig bewusst geworden ist mir das bei „Blinding Lights“ (The Weeknd) - das aber für mich trotz Beats-Kopfhörern das Gefühl hinterlassen hat, dass die Basslinie jetzt deutlich weniger prägnant ist.

Die Bezeichnung Spatial Audio oder 3D-Audio halte ich aber dann doch für Marketing-Gerede. Denn es ist für mich eben nicht so, dass ich das Gefühl habe, dass alles um mich herum stattfindet. Vielmehr klingt die Musik deutlich klarer und man kann Kläge wahrnehmen, die in Mono und auch Stereo schlicht untergegangen sind. Was dem Ganzen nicht zum Nachteil gereicht, denn es ist tatsächlich eine Verbesserung des Klangs.

Funktioniert das wirklich immer?

Nein, zumindest für mich nicht. Bei einigen der von mir angehörten Songs gelingt es mir nicht signifikante Unterschiede zu hören. Mein Gefühl ist, dass je flacher oder einfacher ein Song gestaltet ist, desto weniger kann man einen Unterschied wahrnehmen. Technisch klarer klingt es zumindest für mein Empfinden aber immer.

Und das Angebot?

Nun ja, das ist zumindest Stand jetzt, erst mal die größte Schwachstelle. Besonders viel steht zum anfang noch nicht zur Verfügung und es ist auch nicht so, dass alles was neu erscheint, auch in Dolby Atmos/ Spatial Audio veröffentlicht wird. Mit dabei sind erst mal die üblichen Verdächtigen: Taylor Swift, The Weeknd, Ariana Grande und Billie Eilish und dann eben über die Genres ausgewählte Tracks von Künstlern aus den 90ern, 80ern aber eben auch aus deutlich früheren Zeiten. So ist dann z.B. auch das ein oder andere ältere Werk von Johnny Cash mit vertreten. Um einen leichten Einstieg zu finden, hat Apple in der Music App eine Extra Kategorie „3D-Audio“ in der Suche geschaffen.

Screenshot der Apple Music App Suche mit der Kategorie 3D-Audio

Erkennen kann man die Songs, bei denen Spatial Audio verfügbar ist, in der App übrigens immer am Dolby Atmos Logo.

Screenshot Music App Rebel Yell mit Dolby Atmos Logo

Macht das die Welt nun besser?

Sicher nicht. Und es ist auch nicht so, dass man sagen müsste: „Du musst dir das jetzt sofort anhören!“. Wenn man es aber mal gehört hat, wird man nicht wieder zurück wollen. Wer also die Chance hat, sollte das mal Probehören. Das ist jetzt aber nicht der Grund das Spotify-Abo zu kündigen oder das Android Smartphone in die Ecke zu feuern und sich nur dafür ein iPhone und AirPods zuzulegen. Da das Ganze grundsätzlich auch unter dem Namen Dolby Atmos läuft, darf man, vermute ich, davon ausgehen, das ein ähnliches Feature früher oder später auch auf anderen Plattformen verfügbar sein wird. Und ein technischer Fortschritt ist es auf jeden Fall.